Warum posten wir?

Diese psychologischen Wirkmechanismen stecken dahinter! 

Der Erfolg von Facebook, Instagram, Snapchat oder neuerdings auch TikTok fußt auf mehreren Aspekten. Viele davon sind uns bewusst, einige vielleicht eher weniger. Vermutlich wusstest du, dass Social Media jede Menge psychologische Tricks anwendet, um dich unterbewusst ans Smartphone zu fesseln. Was genau aber von unseren natürlichen Mechanismen und Bedürfnissen „ausgenutzt“ wird, ist dir wahrscheinlich noch nicht bewusst. 

Hinter vielen Funktionen auf den sozialen Netzwerken steckt jahrelange psychologische Forschung, die sich gezielt auf das menschliche Verhalten in solchen digitalen Wirkungsräumen spezialisiert hat. So z.B. ist es in der Psychologie allbekannt, dass ein Verhalten, also die Tatsache ob wir etwas bestimmtes tun oder eben auch nicht, immer von drei Aspekten abhängt: der Motivation, sei sie intrinsisch oder extrinsisch, den eigenen Fähigkeiten und einem Auslöser.  

Schauen wir uns das ganze anhand des wichtigsten Aspekts einer jeden Social Media Plattform an, den Posts. Ohne solche persönlichen „Mitteilungen“ funktioniert keine dieser Apps, ob das nun Videos, Fotos, Tweets oder Snaps sind, spielt keine Rolle. Alle greifen auf ganz simple Aspekte unserer Psyche zurück und machen uns den Weg zum Post so einfach wie möglich. Denn je mehr Posts, desto besser! Diesen Leitsatz vertritt jede große Social Media Plattform.  

Verhaltensaspekt 1: Motivation  
Du hast, wie fast jeder Mensch, ein natürliches Bedürfnis dich mitzuteilen. Das ist an sich sehr vorteilhaft und wichtig für deine mentale Gesundheit. Social Media nutzt dieses Bedürfnis aber aus, um von anderen Menschen Aufmerksamkeit „stehlen“ zu können.  
Außerdem streben wir Menschen nach sozialer Anerkennung und Bestätigung. Genau das ist unsere intrinsische Motivation, die uns dazu verleitetet einen Post zu erstellen. Zusätzlich motivieren uns Social Media Kanäle auch noch extrinsisch, indem wir für unsere Posts belohnt werden. So z.B. kriegen wir auf Facebook oder Instagram Likes. Diese Likes fungieren als digitale Bestätigung, die jedoch niemals unser Bedürfnis nach Anerkennung authentisch befriedigen kann. Snapchat macht sich das „Gesetz“ der Reziprozität zu nutze. Dieses besagt, dass wir das innere Bedürfnis haben uns zu revanchieren. So werden wir motiviert einen Snap zu verschicken, weil wir das innere Bedürfnis haben, das erhaltene Geschenk, den Snap, zu erwidern. Wir nennen hier einen Snap bewusst „Geschenk“, weil in unserem Gehirn dabei genau die Zonen aktiviert werden, die auch aktiv sind, wenn wir beschenkt werden.  

Verhaltensaspekt 2: eigene Fähigkeiten  
Wir führen eine Handlung nur dann aus, wenn wir unseren eigenen Fähigkeiten zuschreiben diese Handlung auch ausführen zu können. Social Media setzt deshalb einfach den nötigen Aufwand und die nötigen Fähigkeitsressourcen so weit wie möglich herunter. Man muss heutzutage kein Fotograf mehr sein, um ein schönes Instagram Foto zu machen, dafür hat man Filter. Ein makelloses Gesicht und Makeup Künste brauch es auch nicht mehr, die Snapchat Filter regeln das. Ein cooles Video, easy, nimm TikTok. Dadurch ist es wirklich jedem, auch ohne besondere Fähigkeiten in einem dieser Gebiete möglich, solche Handlungen „gut“ auszuführen.  

Verhaltensaspekt 3: es benötigt einen Auslöser.  
Jedes Verhalten muss immer noch irgendwie „getriggered“ werden. FOMO! Dieser gängige Begriff beschreibt die Angst, etwas zu verpassen („fear of missing out“). „Den Moment muss ich jetzt schnell festhalten und auf Insta posten!“ Wir haben Angst davor, solche „bedeutende“ Momente nicht festzuhalten und sie nicht mit anderen teilen zu können. Dies hindert uns aber sehr oft daran, den Moment wirklich zu genießen… Dazu kommen die ständigen Hinweise und Benachrichtigungen der Apps, dass man doch etwas posten könnte. Solche Push Benachrichtigungen und auch die kleinen Zahlen auf den Icons der Apps haben die Aufgabe, uns immer wieder aufs Neue zu triggern. Du hast den Drang die App zu öffnen, damit diese Zahl über dem Icon verschwindet? Das geht uns fast allen so. Social Media nutzt dabei unseren inneren Drang nach Ordnung aus.  

Da du nun genau weißt, wie du ausgetrickst wirst, fällst du zukünftig bestimmt nicht mehr darauf rein. 😉 Dies wäre zwar schön, aber so einfach wird es nicht werden… Die „Regeln“ des Denkens und Handelns, die von den Social Media Plattformen ausgenutzt werden, sind so tief in unseren Verhaltensmustern verankert, dass es meist nur mit sehr viel Willensstärke möglich ist, dagegen zu wirken. Probiere einfach mal die App nicht zu öffnen, wenn du den Drang verspürst diese nervige rote Zahl über dem Icon verschwinden zu lassen. Vermutlich wird dies gar nicht so einfach sein.