Warum findet mich mein Spiegel hässlich?

Maleikas Geschichte 

Hallo, ich bin Maleika, 21 Jahre alt und möchte euch heute meine Geschichte erzählen. Ich bin eigentlich eine sehr frohe, muntere und ausgelassene Persönlichkeit. Ich liebe es unter Menschen zu sein, rauszugehen, zu feiern, einfach das Leben zu genießen. Seit ungefähr einem halben Jahr hat sich das aber drastisch verändert. Bis vor kurzem war ich sogar der Meinung, ich bin selbst daran schuld, ich sei verrückt geworden… 

Was mein Problem ist? 
Mein Körper! Naja, das stimmt auch nicht so ganz, eigentlich die Wahrnehmung meines Körpers. Die hat sich nämlich im Laufe des vergangenen Jahres krass verändert.  

Ich war immer schon ein schlankes und sportliches Mädchen und hatte mir nie Gedanken darüber gemacht, wie ich aussehe, ob ich denn zu fett sei oder was auch immer. Ich war glücklich und zufrieden, so wie ich war. Das hat sich aber sehr schnell geändert und ich kann leider nicht mehr genau sagen, wann es angefangen hat. Im Laufe des Lockdowns irgendwann, habe ich begonnen mich ständig im Spiegel zu betrachten, täglich mehrmals auf die Waage zu steigen und darüber zu grübeln, was ich denn gesundes Essen könnte.  

Ich habe angefangen meinen Körper zu hassen. 
Mein Bauch ist nicht flach genug, meine Beine gefallen mir auch überhaupt nicht und über meinen Po sprechen wir erst gar nicht. Ich fing an mich selber unter Druck zu setzten und täglich Home Workouts zu machen. Ich habe ständig nach gesunden Rezepten gegoogelt und bei allem, was ich Essen wollte dreimal überlegt, ob ich das nun wirklich brauche oder, ob ich vielleicht doch darauf verzichten sollte. Jeder Tag wurde zur Qual. Ich stand so sehr unter Druck, dass ich das Gefühl hatte, damit nicht mehr klarzukommen.  

Plötzlich war alles schwarz. 
Es ist jetzt ungefähr ein Monat vergangen, seitdem ich meinen Zusammenbruch hatte. Davor dachte ich immer, dass ich das Problem bin, dass irgendwas mit mir nicht stimmt. Langsam habe ich jedoch angefangen zu verstehen, dass ich nicht krank oder verrückt bin, sondern, dass ich ein ungesundes Verhaltensmuster entwickelt habe.  

Social Media nutze ich, seit ich 15 oder 16 bin. 
Damals habe ich mit Facebook angefangen, inzwischen nutze ich auch Instagramm und Snapchat. Vor der Pandemie hatte ich das so gut wie gar nicht genutzt, ab und zu mal, um zu sehen, was meine Freundinnen aus der Schulzeit machen oder mich auf Reisen mit neuen Leuten zu connecten. Während des Lockdowns habe ich dann angefangen, die Instagram Welt für mich zu entdecken. Das war auch ein sehr guter Zeitvertreib, ständig wurde mir aufregender und cooler Content vorgeschlagen. Da ich sonst ja eh nicht viel zu tun hatte, habe ich gerne meine Zeit auf dem „Explore“ Feed verbracht. An einigen Tagen sogar bis zu sechs Stunden. Ich hätte niemals gedacht, dass ich so viel Zeit damit verbringe, aber seit einiger Zeit tracke ich dies und ich muss leider zugeben, dass es viel viel mehr ist, als ich geschätzt hätte.  

Seit zwei Wochen nun, bin ich in Therapie. 
Ich kann euch leider noch nicht sagen, ob mir das Ganze helfen wird, aber ich kann euch erzählen was ich gelernt habe. Wenn ich mir jetzt meinen „Explore“ Feed ansehe, dann kann ich immer besser verstehen, wie es dazu gekommen ist, dass ich mich so fühle. 

Wie ich gelernt habe, ist Instagram wie eine andere Welt für uns.
Diese Welt können wir genauso wie die reale Welt entdecken und erleben. Das Problem jedoch ist, das uns vorgegaukelt wird, dass es sich um eine Repräsentation der Realität handelt. Ich hatte irgendwie das Gefühl, dass alle trotz der erschwerten Umstände ein perfektes Leben haben. Einerseits sehen alle so sportlich und attraktiv aus und andererseits, scheint in ihrem Leben alles nach Plan zu verlaufen.  

Ich habe mich immer schon gerne mit anderen verglichen. 
Der Vergleich mit anderen hat mir immer etwas Neues beigebracht und mir auch Kraft und Selbstvertrauen geschenkt. Meine Therapeutin meint, dass mir aber genau dieser Drang zum Vergleichen nun zum Verhängnis wurde. Ich habe während des Lockdowns nämlich nicht aufgehört mich zu vergleichen, sondern angefangen dieses Spiel in einer verzerrten Realität zu spielen. Was das mit mir gemacht hat und vor allem wie schnell das ging, hat mich einfach nur geschockt. Zudem habe ich immer noch häufig Momente, in denen ich das Gefühl habe nicht gut genug zu sein, nicht dem Ideal zu entsprechen und es sich so anfühlt, als hätte ich in allem versagt.  

Mein Appell an dich. 
Sei bitte vorsichtig mit den Inhalten, die du konsumierst und auch mit der Dauer, die du auf Social Media verbringst. Bei mir war es so, dass ich die Veränderung gar nicht gemerkt habe, es fühlte sich so an, als wäre ich plötzlich unglücklich geworden. Meine Therapeutin meint, dass dies häufig ein schleichender Prozess sei, der größtenteils unbewusst stattfindet. 

Verliere niemals die wirkliche Realität aus den Augen!