Gib hier deine Überschrift ein

Der Fluch von Social Media

Ist Social Media ein nützliches Tool oder eine Gefahr für unsere Gesellschaft und die menschliche Psyche?  

Wäre die Antwort auf die Frage trivial, würden wir uns nicht so ausgiebig damit beschäftigen. Je nach unterschiedlichem Persönlichkeitstyp und Extensivität der Nutzung, kann Social Media beides sein, eine Gefahr aber auch eine Chance.  

„Die Dosis macht die Mischung, und die Mischung macht das Gift.“ 

In einem Interview mit dem Psychologen Martin Daume, haben wir uns über die Gefahren unterhalten, die bei einer ungünstig verabreichten Dosis auf uns lauern können. Dabei kann dieselbe Dosis, je nach Persönlichkeitstyp, ganz andere Auswirkungen haben. Auch ohne Berücksichtigung dieser unterschiedlichen Persönlichkeitstypen kann man sagen, dass eine durchschnittliche Social Media Nutzung von drei Stunden pro Tag, für die meisten Menschen gefährliche Folgen haben kann (Oberlo, 2021). Bedenkt man, dass der Großteil der Menschen ungefähr acht Stunden am Tag arbeitet, studiert oder zur Schule geht und acht Stunden am Tag schläft, verbleiben noch weitere acht Stunden. Werden von dieser verbleibenden Zeit drei Stunden in einer Blase verbracht, kann der Inhalt dieser Blase eine größere Auswirkung haben als vielen von uns bewusst ist. 

Aber was genau macht diese Blase Social Media so gefährlich?  

Es gibt einige große Gefahrenzonen, die aber alle auf dieselben Wirkmechanismen zurückzuführen sind. Versteht man diese Wirkmechanismen, kann man auch die einzelnen problematischen Aspekte besser verstehen.  

Wir Menschen streben nach unterschiedlichsten Beziehungsbedürfnissen, darunter z.B. Aufmerksamkeit, Anerkennung oder Solidarität. Diese Bedürfnisse wollen wir befriedigen sowohl im echten als auch im digitalen Miteinander. Das Problem der digitalen Interaktion ist, dass sie nie simultan, sondern immer zeitlich versetzt abläuft. Somit speisen wir entweder einseitig Interaktion in die Blase ein oder wir werden einseitig von der Blase heraus bespielt. Dies entspricht niemals einer natürlichen Interaktion. Dabei erhalten wir nämlich immer sofort eine Rückmeldung, sei es verbal oder nonverbal. Digitale Interaktion kann solche Beziehungsbedürfnisse also niemals authentisch befriedigen.  

Da wir aber solche authentische Befriedigung brauchen, reagieren wir. Entweder wir realisieren bewusst, dass wir authentische Befriedigung digital nicht erreichen werden und suchen sie uns in der realen Welt. Oder wir geben uns geschlagen und fühlen uns schlecht, da wir die Befriedigung nicht erreichen. Oder wir versuchen zu kompensieren. Bei den beiden letzteren Reaktionen werden in unserem Gehirn ungünstige Schemata aktiviert, man könnte sie auch Kognitive-Hilfs-Konstrukte nennen. In diesem Fall solche Konstrukte, die den Umgang mit der nicht authentischen Befriedigung unserer Bedürfnisse regeln.  

Einerseits können diese Schemata – bewusst oder unbewusst – dafür sorgen, dass wir glauben, wir sind der Grund der Nichtbefriedigung. Dies wiederum kann sehr schnell in Vereinsamung und Depressionen enden. Andererseits können diese Schemata auch Kompensationsmechanismen in Gang bringen. Durch solche Kompensationsmechanismen, auch normative Schemata genannt, versuchen wir dann andere genauso auf uns reagieren zu lassen, wie wir das möchten. Wenn wir nicht die gewünschten Signale und Reaktionen der anderen bekommen, manipulieren wir also. In Social Media Sprache würde das z.B. bedeuten, wir bearbeiten unser Gesicht und legen ein paar Filter darauf, sodass andere uns schön finden und unseren Post liken. Je nachdem, wie gut unsere normativen Schemata sind können wir auch durchaus erfolgreich sein und durch das Bearbeiten des Posts wirklich mehr Likes bekommen. Das große Problem dabei ist aber, dass uns das nicht auf authentische Art und Weise befriedigt. Wir wissen nämlich, dass wir eigentlich nicht so perfekt aussehen und auch Falten und Unreinheiten haben.  

Wir realisieren, dass Social Media eine verzerrte, nicht wirklich realistische Welt ist. Dennoch sorgen solche Schemata-Aktivierungen in jedem Moment aufs Neue dafür, dass wir genau so handeln wie wir eigentlich nicht sollten.  

„Das ist der Fluch von Social Media!“